Home · Reiseberichte · 2005 · Reisebericht Spanien 2005

Reisebericht Spanien 2005

Reisebericht Spanien 2005



Bei wolkenverhangenem Himmel und 18 Grad Außentemperatur trafen wir uns auf dem zu dieser Zeit leerstehenden Parkplatz der Firma Bosch und Siemens Hausgeräte in Giengen. Wir, das sind neun motorradbegeisterte Männer, in bestem Alter und zu allem bereit. Entgegen zu unseren sonstigen Gepflogenheiten sind wir diesmal nicht selber an unser Urlaubsziel gefahren, sondern haben uns einem Transportunternehmen anvertraut. Hier hatte uns die Firma UB-Tours unter Uli Förster ein tolles Angebot gemacht, das nach kurzer Diskussion von allen Teilnehmern gerne angenommen wurde.

Bereits lange vor der vereinbarten Zeit war Uli mit seinem Spezialgefährt zur Stelle und begann mit dem Verladen der Motorräder. Hierauf waren wir alle gespannt, denn, in einen Reisebus hatten wir bisher noch nie verladen. Sieben Mopeds wurden im hinteren Bereich, der vom Personenbereich abgetrennt ist sicher verstaut. Es war auch noch genügend Platz für eine Liege für den Ersatzfahrer vorhanden. Die restlichen Mopeds kamen in den mitgeführten Anhänger. Gegen 17 Uhr und nach den Verabschiedungen vom weiblichen Anhang fuhren wir über die A8 Richtung Karlsruhe, wo wir Unterwegs noch weitere Mitreisende aufnahmen.

Danach ging es nur noch in südliche Richtung durch Frankreich bis zur Spanischen Grenze. Direkt danach, in La Jonquera wurden die anderen Mopeds samt Fahrer wieder abgeladen. Wir fuhren weiter, direkt an unser Hotel Xons Playa in Ampuriabrava. 18 Stunden waren seit dem Start vergangen, und trotz ausreichender Pausen und ordentlichen Sitzen im Bus, waren wir von der langen Anreise doch recht geschafft. Zum Glück konnten wir unsere Zimmer gleich beziehen und konnten die Mopeds in der Tiefgarage unterstellen. Das Abladen verlief genauso problemlos wie das Aufladen. Bereits eine kurze Dusche weckte aber bei allen wieder alle zum Fahren wichtigen Lebensgeister, und so starteten wir nach rund 2 Stunden bereits zu unserer ersten Erkundungstour in Richtung Norden, Richtung Französische Grenze. Vorbei an Rosas fuhren wir eine schmale, aber gut ausgebaute Küstenstraße entlang, zuerst nach Cadaques. Die kurvige mit tollem Grip versehene Strecke gab uns einen ersten Vorgeschmack auf das was folgen sollte.

Kurz vor Cadaques mussten wir allerdings umkehren, da hier die Straße neu geteert wurde. Das wirkliche Ziel dieser ersten Fahrt war eh die Strecke zwischen Llanca und Port Vendres in Frankreich. Diese Strecke, insgesamt 65 Km lang, gespickt mit unzähligen Kurven der verschiedensten Kategorien (enge, weite, schnelle und langsamere) würde jedem anderen Landstrich egal wo in den Bergen gelegen zu Ruhm und Ehre gereichen. Hier liegt sie einfach so rum und wartet auf kurvenhungrige Motorradfahrer, die es mal so richtig wissen wollen.

Zum größten Teil ausgestattet mit einem topfebenen Belag und hervorragendem Grip lädt sie zum zügigen Fahren regelrecht ein. Dies haben wir mit der nötigen Vorsicht und immer mit einem Rest an Sicherheit in der folgenden Woche dann auch getan. Kurz nach der Französischen Grenze, in Cerbere nahmen wir dann unseren ersten Cappuccino zu uns, der war, wie nicht anders zu erwarten, mit 2,85 € recht gesalzen aber trinkbar. Da sich in den letzten Minuten der Himmel immer mehr verdunkelte, traten wir nach rund der halben Streck den Rückweg an, allerdings mit dem Versprechen zurückzukommen. Diese Entscheidung sollte sich als richtig erweisen, da kaum im Hotel, ein Regenschauer über dem Küstenstreifen niederging. Für den ersten Tag sollte dies auch genügen, da in der "Transportnacht" keiner wirklich zum schlafen gekommen war.

Nach einer weiteren Dusche trafen wir uns um 19 Uhr im Hotelrestaurant zum Abendessen. Hier hatten wir die Möglichkeit vom Buffet zu essen. Ein großes Salatbuffet, 2 Suppen und 4 verschiedene Hauptgerichte standen täglich wechselnd zur Auswahl. Trotzdem die Speisen geschmacklich sehr neutral gehalten waren (fast nicht gewürzt) fand jeder etwas das ihm geschmacklich zusagte. Das Angebot zum Nachwürzen war brauchbar, so dass keiner hungrig vom Tisch aufstehen musste. Nur die 2 Liter Wein, die es kostenlos zum Essen gab, waren etwas knapp bemessen. Dies sollte auch noch für Gesprächsstoff sorgen, dazu aber später. An diesem Abend ging es auch nicht mehr sehr lange, da doch jeder müde von der langen Anreise war.

Am Sonntagmorgen trafen sich dann alle (alle sind: Dieter, Roland, Helmut G., Wolfgang, Hermann, Martin, Helmut R., Rolf und Peter) pünktlich um 8 Uhr zum Frühstück. Der Kaffee kam aus dem Automaten, war aber gut, das Buffet reichhaltig, aber die ganze Woche über gab es immer dasselbe.
Wiederum musste aber keiner Hungern, wobei die Qualität des Essens mit zunehmender Aufenthaltsdauer abnahm. Vermutlich war der Koch ab Dienstag im Urlaub.

Gegen 9 Uhr starteten wir in Richtung Süden. Entlang der Küste, auf schmalen aber guten Straßen, fuhren wir über Verges und Torroella nach Pals. Der Ort gehört zu den malerischsten Siedlungen an der Costa Brava und wirkt fast wie eine Puppenstube. Die zum großen Teil aus Naturstein erbaute Altstadt hinter einer intakten Stadtmauer zieht sich rund um einen Hügel. Blumen schmücken die Kopfsteinpflastergassen. In den charmant restaurierten Häusern befinden sich Keramikläden mit den üblichen Souvenirs und ausgefallene »Kunst«-Stücke. Die Pfarrkirche Sant Pere glänzt durch ihre romanisch-gotisch-barocke Stilmischung

Nach einem „ausgedehnten Rundgang“ soweit das in voller Montur möglich war, ging es weiter nach La Bisbal. Hier zweigt eine Straße unscheinbar nach Cassa de la Selva ab. Die dann folgenden 20 Km haben es in sich. Kurve an Kurve, ein ebener, griffiger Belag und so gut wie kein Verkehr. Erst kurz vor Cassa endet das Schwingen plötzlich auf einer ca. 3 Km langen Gerade kurz vor dem Ort. Man brauchte hier ein paar Meter, um das abrupte Ende der Kurvenstrecke zu realisieren. Gleichermaßen war die Gerade willkommen, konnte man doch endlich mal die Hände wieder ausschütteln. Bei einer kurzen Rast, wir hatten auch 2 Raucher dabei, waren alle Geländunkundigen der Meinung, dies sei die gepriesene Stecke gewesen. Weit gefehlt, das war nur zum Reifen warmfahren.

Die zweitbeste Strecke der Region sollte erst in der folgenden Etappe in Angriff genommen werden. In Sant Feliu beginnt eine 47 Km lange Strecke, die Berichten zur Folge rund 600 Kurven haben soll. Keine Ahnung ob das stimmt, war auch absolut unwichtig. Hier gibt es kein Stück Asphalt, welcher übrigens der beste ist, den man vermutlich finden kann, das länger als 100 Meter geradeaus führt. Kurve um Kurve, wie mit dem Zirkel gezogen, in der Folge schon fast berechenbar, da die Straße immer an der Küste entlang führt. Nur minimale Steigungen und ebensolche Gefälle lassen einen die Kurven wie im Rausch genießen.

In Tossa de Mar angekommen haben wir uns erst mal einen Cappuccino gegönnt, hauptsächlich um die Eindrücke zu verarbeiten. Eine solche Strecke hier in Deutschland, da könnte man locker 20 € Eintritt verlangen und wäre in einer Saison Millionär. Oder man würde sie für Motorräder sperren! Absolut nahtlos knüpften die 16 Km nach Llagostera an die vorangegangene Strecke an. Wobei hier auf einer breiten, gut ausgebauten Straße, die lang gezogenen Kurven so um die 120 Km/h in der Überzahl waren. Über Hostalric, Sant Hilari fuhren wir weiter nach Angles. Diese 45 km waren vergleichbar mit der Strecke La Bisbal - Cassa de la Selva.

Erst jetzt, auf der Strecke nach Olot, vergleichbar mit unseren Bundesstraßen, konnte die Konzentration auf die Straße etwas nachlassen, und auch mal ein Blick auf die Landschaft riskiert werden. In Banyoles angekommen, gab es einen weiteren Kaffee direkt am See. Der Rückweg führte uns über die NII, vorbei an Figueres zurück in unser Hotel. Nach dem Abendessen war dann noch ein ausgedehnter Bummel durch die Fußgängerzone angesagt.


Am Montag meldete der Wetterbericht für die ganze Gegend Regen, so entschlossen wir uns, den eingeplanten Ruhetag eben auf Heute zu verlegen. Dieser wurde für einen ausgedehnten Stadtbummel genutzt. Vorbei an tollen Villen, die meisten an Künstlichen Kanälen gelegen, alle mit entsprechenden Booten ausgestattet, erkundeten wir die Örtlichkeiten.

Die Aussichten für den Dienstag waren nicht sehr viel besser, aber für den Küstenbereich war „Trocken“ angesagt.

Also starteten wir zeitig und fuhren die NII Richtung Französische Grenze. Von La Jonquera nach Le Boulou ist selbst diese breite Hauptverkehrsstraße anspruchsvoll kurvig und sehr flüssig zu fahren. Von hier aus ging es die 115 Richtung Westen, vorbei an Ceret nach Amelie. Nun wollten wir Richtung Norden, die Französischen Nebenstraßen testen. Die Strecke zum Col de Fourtou war aber vom Belag her äußerst schlecht, dazu kam noch die Restnässe an den schattigen Stellen, so dass wir nach einer kurzen Rast wieder Richtung Ceret zurückfuhren.

Trotz wolkenverhangenem Himmel, riskierten wir es weiter Richtung Westen zu fahren.

Kurz vor Arles, ab hier wird die Strecke wieder extrem Kurvig, mussten wir allerdings umkehren, Duschen wollten wir erst im Hotel wieder. Ohne eine Vordusche sollte das allerdings nicht abgehen. Bereits bei Ceret bekamen wir eine volle Hauptwäsche ab, und entschlossen uns auf die Küstenstraße zu verzichten und auf der Autobahn bis Figueres zu fahren. Im Hotel nutzten dann die meisten den Nachmittag zu einem Nickerchen, um für den Abend entsprechend ausgeruht zu sein, Vor dem Abendessen wurde noch kurz durch die Fußgängerzone von Rosas gebummelt, die wesentlich attraktiver als die von Ampuriabrava war.


Am Mittwoch war dann wieder Top-Wetter angesagt, nach einer kurzen Abstimmung beim Frühstück beschlossen wir, die Fahrt nach Andorra auf den nächsten Tag zu verschieben und die Tour vom Montag zu wiederholen. Diesmal fuhren wir allerdings die Schnellstraße bis Girona, um schneller am Ziel zu sein. Die Strecke Casa de la Selva nach La Bisbal und dann weiter nach Palamos fuhren wir diesmal in die andere Richtung, dies machte vom Fahrspaß her aber keinen Unterschied. In Sant Feliu ging es dann mit bereits gut angewärmten Reifen auf die Küstenstraße nach Tossa de Mar. Und wieder wurde die Strecke bewältigt, ohne auf die Weltbekannten Aussichtsstellen zu achten, oder sie auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Erst kurz vor Tossa, auch hier hat es so eine Stelle, stoppten wir um auf Helmut zu warten, er hatte zum Fotografieren angehalten. Nach einer längeren Wartezeit, wir überlegten gerade zurückzufahren und nach ihm zu sehen, kam er im Schritttempo angezuckelt. Jacke zerrissen, Gabel verbogen und Dreck zwischen Felge und Reifen, zeugten davon, dass ihm irgendwo die Straße ausgegangen war.

Eine kurze Begutachtung zeigte, dass hier ohne schweres Gerät (Werkstatt) nicht viel auszurichten war. Also in Tossa nach einer Werkstatt gesucht, diese auch gefunden und versucht dem spanischen Monteur ohne Deutsch oder Englischkenntnisse zu erklären was wir wollten. Mit tatkräftiger Unterstützung aller wurde die lädierte GS wieder geradegebogen, der zerschrammte Arm verbunden und die Fahrt nach Llagosterra fortgesetzt. Dort angekommen die ganze Abteilung kehrt, und dieselbe Strecke wieder zurück. Bei einer kurzen Rast in einem Strandcafe wurde der Arm von Helmut dann professionell verbunden. Die Küstenstraße Richtung Norden bietet denselben Fahrspaß wie Richtung Süden. Eigentlich müsste man sonst nirgends hinfahren, für das nächste mal, ist zu überlegen, eines der an der Stracke gelegenen Hotels zu buchen. Zurück fuhren wir dann wieder über die Schnellstraße, da der Zeitplan durch die GS-Tuningmaßnahmen etwas durcheinander geraten war.

Heute war die Fahrt nach Andorra angesagt. Zügig fuhren wir die 260 bis nach Ripoll um hier auf der N152 nach Nord-West abzuschwenken. Die dann folgenden 65 Km von Ribes nach Puigcerda gehören zum besten, was Europa an Straßen für Motorradfahrer zu bieten hat. Wer die Möglichkeit hat, über einen schnellen Internetanschluss und Google Earth verfügt, kann sich hier jede Kurve auf der Strecke anschauen.

Zur Einstimmung steht ein Verkehrsschild am Straßenrand " Kurvige Strecke 40 Km".

Neuer, top Belag, Grip bis zum Funkenflug und so gut wie kein Verkehr lassen das Fahrvergnügen ins grenzenlose steigen. Die Weiterfahrt nach Andorra könnte man sich eigentlich schenken, da nach dieser Strecke nichts Interessantes mehr kommen kann. Andorra selber, voll auf Touries und Kommerz ausgerichtet, rentiert sich nur zum günstig einkaufen. Entsprechend schnell sind wir dann auch Richtung Pass de la Case (2091m) und Col de Puymorens ( 1915m) weitergefahren. Ab Puigcerda ging es dann wieder die tolle Strecke zurück bis Ripoll.


Die restliche Strecke zurück diente den meisten zur Lockerung der angespannten und teilweise verkrampften Muskulatur. Das Abendessen stand dann auch unter dem Eindruck des erlebten und verlief recht ruhig. Erst beim obligatorischen Schlummertrunk wurde ausführlich über den Tag gefachsimpelt.

 Für Freitag war eigentlich noch die Fahrt nach Carcassonne geplant, auf diese wurde allerdings zugunsten der nördlichen Küstenstraße nach Port Vendres verzichtet. Zusätzlich sollte es laut Wetterbericht über 30 Grad warm werden, so wollten wir es nicht übertreiben und unser Versprechen vom Sonntag, wiederzukommen, einlösen. Die Strecke bis Cerbere war uns ja schon bekannt, das folgende Stück bis Port Vendres steht den beiden Top-Strecken nur minimal nach. Von zwei Stellen, an denen gebaut wird abgesehen, ist hier die Straße auch für französische Verhältnisse hervorragend.

Früh am Nachmittag waren wir wieder zurück, bereits stark transpirierend unter den Klamotten, entschlossen wir uns zum baden im Meer. Gegen später wurde noch ein Einkaufsbummel in Rosas unternommen und der Abend klang bei einigen Drinks langsam aus. Samstag, Abreisetag, Packen und Zimmer räumen war angesagt. Uli`s Bus kam pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt, das Verladen verlief problemlos und gegen Abend wurden dann in La Jonquera die letzten Rückreisenden aufgenommen. Die Rückfahrt verlief genauso Ereignislos (gelobt seien hier die guten Fahrer) wie die Hinreise, so dass wir am Sonntagnachmittag wieder Zuhause ankamen.

Ein letztes mal Entladen, das Gepäck in den Autos verstaut, bleibt die Erinnerung an einen gelungenen, Erlebnisreichen Urlaub in einer Gegend, die man sonst mehr mit Sonne, Strand, Baden und Meer verbindet. Bereits auf der Heimfahrt wurde ernsthaft darüber diskutiert, dies vielleicht bereits im Herbst zu wiederholen. Dies sollte uns nicht gelingen, aber für den Mai 2006 ist derselbe Küstenabschnitt bereits fest eingeplant.

Im Oktober 2005 (der Guide Peter)

Menü


Mo Di Mi Do Fr Sa So
12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
272829
Februar 2012

Surftipps

Tags