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Bei wolkenverhangenem Himmel und 18 Grad Außentemperatur trafen wir
uns auf dem zu dieser Zeit leerstehenden Parkplatz der Firma Bosch und Siemens
Hausgeräte in Giengen. Wir, das sind neun motorradbegeisterte Männer, in bestem
Alter und zu allem bereit. Entgegen zu unseren sonstigen Gepflogenheiten sind
wir diesmal nicht selber an unser Urlaubsziel gefahren, sondern haben uns einem
Transportunternehmen anvertraut. Hier hatte uns die Firma UB-Tours unter Uli
Förster ein tolles Angebot gemacht, das nach kurzer Diskussion von allen
Teilnehmern gerne angenommen wurde. 
Bereits lange vor der
vereinbarten Zeit war Uli mit seinem Spezialgefährt zur Stelle und begann mit
dem Verladen der Motorräder. Hierauf waren wir alle gespannt, denn, in einen
Reisebus hatten wir bisher noch nie verladen. Sieben Mopeds wurden im hinteren
Bereich, der vom Personenbereich abgetrennt ist sicher verstaut. Es war auch
noch genügend Platz für eine Liege für den Ersatzfahrer vorhanden. Die
restlichen Mopeds kamen in den mitgeführten Anhänger. Gegen 17 Uhr und nach den
Verabschiedungen vom weiblichen Anhang fuhren wir über die A8 Richtung
Karlsruhe, wo wir Unterwegs noch weitere Mitreisende aufnahmen.

Danach ging es
nur noch in südliche Richtung durch Frankreich bis zur Spanischen Grenze. Direkt
danach, in La Jonquera wurden die anderen Mopeds samt Fahrer wieder abgeladen.
Wir fuhren weiter, direkt an unser Hotel Xons Playa in Ampuriabrava. 18 Stunden
waren seit dem Start vergangen, und trotz ausreichender Pausen und ordentlichen
Sitzen im Bus, waren wir von der langen Anreise doch recht geschafft. Zum Glück
konnten wir unsere Zimmer gleich beziehen und konnten die Mopeds in der
Tiefgarage unterstellen. Das Abladen verlief genauso problemlos wie das
Aufladen. Bereits eine kurze Dusche weckte aber bei allen wieder alle zum Fahren
wichtigen Lebensgeister, und so starteten wir nach rund 2 Stunden bereits zu
unserer ersten Erkundungstour in Richtung Norden, Richtung Französische Grenze.
Vorbei an Rosas fuhren wir eine schmale, aber gut ausgebaute Küstenstraße
entlang, zuerst nach Cadaques. Die kurvige mit tollem Grip versehene Strecke gab
uns einen ersten Vorgeschmack auf das was folgen sollte.

Kurz vor Cadaques mussten wir allerdings umkehren, da hier die Straße
neu geteert wurde. Das wirkliche Ziel dieser ersten Fahrt war eh die Strecke
zwischen Llanca und Port Vendres in Frankreich. Diese Strecke, insgesamt 65 Km
lang, gespickt mit unzähligen Kurven der verschiedensten Kategorien (enge,
weite, schnelle und langsamere) würde jedem anderen Landstrich egal wo in den
Bergen gelegen zu Ruhm und Ehre gereichen. Hier liegt sie einfach so rum und
wartet auf kurvenhungrige Motorradfahrer, die es mal so richtig wissen wollen.
 Zum größten Teil ausgestattet mit einem topfebenen Belag und
hervorragendem Grip lädt sie zum zügigen Fahren regelrecht ein. Dies haben wir
mit der nötigen Vorsicht und immer mit einem Rest an Sicherheit in der folgenden
Woche dann auch getan. Kurz nach der Französischen Grenze, in Cerbere nahmen wir
dann unseren ersten Cappuccino zu uns, der war, wie nicht anders zu erwarten,
mit 2,85 € recht gesalzen aber trinkbar. Da sich in den letzten Minuten der
Himmel immer mehr verdunkelte, traten wir nach rund der halben Streck den
Rückweg an, allerdings mit dem Versprechen zurückzukommen. Diese Entscheidung
sollte sich als richtig erweisen, da kaum im Hotel, ein Regenschauer über dem
Küstenstreifen niederging. Für den ersten Tag sollte dies auch genügen, da in
der "Transportnacht" keiner wirklich zum schlafen gekommen war.  Nach einer
weiteren Dusche trafen wir uns um 19 Uhr im Hotelrestaurant zum Abendessen. Hier
hatten wir die Möglichkeit vom Buffet zu essen. Ein großes Salatbuffet, 2 Suppen
und 4 verschiedene Hauptgerichte standen täglich wechselnd zur Auswahl. Trotzdem
die Speisen geschmacklich sehr neutral gehalten waren (fast nicht gewürzt) fand
jeder etwas das ihm geschmacklich zusagte. Das Angebot zum Nachwürzen war
brauchbar, so dass keiner hungrig vom Tisch aufstehen musste. Nur die 2 Liter
Wein, die es kostenlos zum Essen gab, waren etwas knapp bemessen. Dies sollte
auch noch für Gesprächsstoff sorgen, dazu aber später. An diesem Abend ging es
auch nicht mehr sehr lange, da doch jeder müde von der langen Anreise
war.
 Am Sonntagmorgen trafen sich dann alle (alle sind: Dieter,
Roland, Helmut G., Wolfgang, Hermann, Martin, Helmut R., Rolf und Peter)
pünktlich um 8 Uhr zum Frühstück. Der Kaffee kam aus dem Automaten, war aber
gut, das Buffet reichhaltig, aber die ganze Woche über gab es immer dasselbe.
Wiederum musste aber keiner Hungern, wobei die Qualität des Essens mit
zunehmender Aufenthaltsdauer abnahm. Vermutlich war der Koch ab Dienstag im
Urlaub.
 Gegen 9 Uhr starteten wir in Richtung Süden. Entlang der Küste,
auf schmalen aber guten Straßen, fuhren wir über Verges und Torroella nach Pals.
Der Ort gehört zu den malerischsten Siedlungen an der Costa Brava und wirkt fast
wie eine Puppenstube. Die zum großen Teil aus Naturstein erbaute Altstadt hinter
einer intakten Stadtmauer zieht sich rund um einen Hügel. Blumen schmücken die
Kopfsteinpflastergassen. In den charmant restaurierten Häusern befinden sich
Keramikläden mit den üblichen Souvenirs und ausgefallene »Kunst«-Stücke. Die
Pfarrkirche Sant Pere glänzt durch ihre romanisch-gotisch-barocke Stilmischung
Nach einem „ausgedehnten Rundgang“ soweit das in voller Montur
möglich war, ging es weiter nach La Bisbal. Hier zweigt eine Straße unscheinbar
nach Cassa de la Selva ab. Die dann folgenden 20 Km haben es in sich. Kurve an
Kurve, ein ebener, griffiger Belag und so gut wie kein Verkehr. Erst kurz vor
Cassa endet das Schwingen plötzlich auf einer ca. 3 Km langen Gerade kurz vor
dem Ort. Man brauchte hier ein paar Meter, um das abrupte Ende der Kurvenstrecke
zu realisieren. Gleichermaßen war die Gerade willkommen, konnte man doch endlich
mal die Hände wieder ausschütteln. Bei einer kurzen Rast, wir hatten auch 2
Raucher dabei, waren alle Geländunkundigen der Meinung, dies sei die gepriesene
Stecke gewesen. Weit gefehlt, das war nur zum Reifen warmfahren.

Die zweitbeste
Strecke der Region sollte erst in der folgenden Etappe in Angriff genommen
werden. In Sant Feliu beginnt eine 47 Km lange Strecke, die Berichten zur Folge
rund 600 Kurven haben soll. Keine Ahnung ob das stimmt, war auch absolut
unwichtig. Hier gibt es kein Stück Asphalt, welcher übrigens der beste ist, den
man vermutlich finden kann, das länger als 100 Meter geradeaus führt. Kurve um
Kurve, wie mit dem Zirkel gezogen, in der Folge schon fast berechenbar, da die
Straße immer an der Küste entlang führt. Nur minimale Steigungen und ebensolche
Gefälle lassen einen die Kurven wie im Rausch genießen. 
In Tossa de Mar angekommen haben wir uns erst mal einen
Cappuccino gegönnt, hauptsächlich um die Eindrücke zu verarbeiten. Eine solche
Strecke hier in Deutschland, da könnte man locker 20 € Eintritt verlangen und
wäre in einer Saison Millionär. Oder man würde sie für Motorräder sperren!
Absolut nahtlos knüpften die 16 Km nach Llagostera an die vorangegangene Strecke
an. Wobei hier auf einer breiten, gut ausgebauten Straße, die lang gezogenen
Kurven so um die 120 Km/h in der Überzahl waren. Über Hostalric, Sant Hilari
fuhren wir weiter nach Angles. Diese 45 km waren vergleichbar mit der Strecke La
Bisbal - Cassa de la Selva.  Erst jetzt, auf der Strecke nach Olot,
vergleichbar mit unseren Bundesstraßen, konnte die Konzentration auf die Straße
etwas nachlassen, und auch mal ein Blick auf die Landschaft riskiert werden. In
Banyoles angekommen, gab es einen weiteren Kaffee direkt am See. Der Rückweg
führte uns über die NII, vorbei an Figueres zurück in unser Hotel. Nach dem
Abendessen war dann noch ein ausgedehnter Bummel durch die Fußgängerzone
angesagt.

Am Montag meldete der Wetterbericht für die ganze Gegend
Regen, so entschlossen wir uns, den eingeplanten Ruhetag eben auf Heute zu
verlegen. Dieser wurde für einen ausgedehnten Stadtbummel genutzt. Vorbei an
tollen Villen, die meisten an Künstlichen Kanälen gelegen, alle mit
entsprechenden Booten ausgestattet, erkundeten wir die Örtlichkeiten.
Die Aussichten für den Dienstag waren nicht sehr viel besser, aber
für den Küstenbereich war „Trocken“ angesagt.
 Also starteten wir
zeitig und fuhren die NII Richtung Französische Grenze. Von La Jonquera nach Le
Boulou ist selbst diese breite Hauptverkehrsstraße anspruchsvoll kurvig und sehr
flüssig zu fahren. Von hier aus ging es die 115 Richtung Westen, vorbei an Ceret
nach Amelie. Nun wollten wir Richtung Norden, die Französischen Nebenstraßen
testen. Die Strecke zum Col de Fourtou war aber vom Belag her äußerst schlecht,
dazu kam noch die Restnässe an den schattigen Stellen, so dass wir nach einer
kurzen Rast wieder Richtung Ceret zurückfuhren.
 Trotz wolkenverhangenem Himmel,
riskierten wir es weiter Richtung Westen zu fahren.
Kurz vor Arles, ab hier wird die Strecke wieder extrem Kurvig,
mussten wir allerdings umkehren, Duschen wollten wir erst im Hotel wieder. Ohne
eine Vordusche sollte das allerdings nicht abgehen. Bereits bei Ceret bekamen
wir eine volle Hauptwäsche ab, und entschlossen uns auf die Küstenstraße zu
verzichten und auf der Autobahn bis Figueres zu fahren. Im Hotel nutzten dann
die meisten den Nachmittag zu einem Nickerchen, um für den Abend entsprechend
ausgeruht zu sein, Vor dem Abendessen wurde noch kurz durch die Fußgängerzone
von Rosas gebummelt, die wesentlich attraktiver als die von Ampuriabrava
war.

Am Mittwoch war dann wieder Top-Wetter angesagt, nach
einer kurzen Abstimmung beim Frühstück beschlossen wir, die Fahrt nach Andorra
auf den nächsten Tag zu verschieben und die Tour vom Montag zu wiederholen.
Diesmal fuhren wir allerdings die Schnellstraße bis Girona, um schneller am Ziel
zu sein. Die Strecke Casa de la Selva nach La Bisbal und dann weiter nach
Palamos fuhren wir diesmal in die andere Richtung, dies machte vom Fahrspaß her
aber keinen Unterschied. In Sant Feliu ging es dann mit bereits gut angewärmten
Reifen auf die Küstenstraße nach Tossa de Mar. Und wieder wurde die Strecke
bewältigt, ohne auf die Weltbekannten Aussichtsstellen zu achten, oder sie auch
nur zur Kenntnis zu nehmen. Erst kurz vor Tossa, auch hier hat es so eine
Stelle, stoppten wir um auf Helmut zu warten, er hatte zum Fotografieren
angehalten. Nach einer längeren Wartezeit, wir überlegten gerade zurückzufahren
und nach ihm zu sehen, kam er im Schritttempo angezuckelt. Jacke zerrissen,
Gabel verbogen und Dreck zwischen Felge und Reifen, zeugten davon, dass ihm
irgendwo die Straße ausgegangen war.
 Eine kurze Begutachtung zeigte,
dass hier ohne schweres Gerät (Werkstatt) nicht viel auszurichten war. Also in
Tossa nach einer Werkstatt gesucht, diese auch gefunden und versucht dem
spanischen Monteur ohne Deutsch oder Englischkenntnisse zu erklären was wir
wollten. Mit tatkräftiger Unterstützung aller wurde die lädierte GS wieder
geradegebogen, der zerschrammte Arm verbunden und die Fahrt nach Llagosterra
fortgesetzt. Dort angekommen die ganze Abteilung kehrt, und dieselbe Strecke
wieder zurück. Bei einer kurzen Rast in einem Strandcafe wurde der Arm von
Helmut dann professionell verbunden. Die Küstenstraße Richtung Norden bietet
denselben Fahrspaß wie Richtung Süden. Eigentlich müsste man sonst nirgends
hinfahren, für das nächste mal, ist zu überlegen, eines der an der Stracke
gelegenen Hotels zu buchen. Zurück fuhren wir dann wieder über die
Schnellstraße, da der Zeitplan durch die GS-Tuningmaßnahmen etwas durcheinander
geraten war.
Heute war die Fahrt nach Andorra angesagt. Zügig fuhren wir die
260 bis nach Ripoll um hier auf der N152 nach Nord-West abzuschwenken. Die dann
folgenden 65 Km von Ribes nach Puigcerda gehören zum besten, was Europa an
Straßen für Motorradfahrer zu bieten hat. Wer die Möglichkeit hat, über einen
schnellen Internetanschluss und Google Earth verfügt, kann sich hier jede Kurve
auf der Strecke anschauen.
 Zur Einstimmung steht ein
Verkehrsschild am Straßenrand " Kurvige Strecke 40 Km".
Neuer, top Belag, Grip bis zum Funkenflug und so gut wie kein
Verkehr lassen das Fahrvergnügen ins grenzenlose steigen. Die Weiterfahrt nach
Andorra könnte man sich eigentlich schenken, da nach dieser Strecke nichts
Interessantes mehr kommen kann. Andorra selber, voll auf Touries und Kommerz
ausgerichtet, rentiert sich nur zum günstig einkaufen. Entsprechend schnell sind
wir dann auch Richtung Pass de la Case (2091m) und Col de Puymorens ( 1915m)
weitergefahren. Ab Puigcerda ging es dann wieder die tolle Strecke zurück bis
Ripoll.
 Die
restliche Strecke zurück diente den meisten zur Lockerung der angespannten und
teilweise verkrampften Muskulatur. Das Abendessen stand dann auch unter dem
Eindruck des erlebten und verlief recht ruhig. Erst beim obligatorischen
Schlummertrunk wurde ausführlich über den Tag gefachsimpelt.

Für Freitag war eigentlich noch die Fahrt nach Carcassonne
geplant, auf diese wurde allerdings zugunsten der nördlichen Küstenstraße nach
Port Vendres verzichtet. Zusätzlich sollte es laut Wetterbericht über 30 Grad
warm werden, so wollten wir es nicht übertreiben und unser Versprechen vom
Sonntag, wiederzukommen, einlösen. Die Strecke bis Cerbere war uns ja schon
bekannt, das folgende Stück bis Port Vendres steht den beiden Top-Strecken nur
minimal nach. Von zwei Stellen, an denen gebaut wird abgesehen, ist hier die
Straße auch für französische Verhältnisse hervorragend.
 Früh am
Nachmittag waren wir wieder zurück, bereits stark transpirierend unter den
Klamotten, entschlossen wir uns zum baden im Meer. Gegen später wurde noch ein
Einkaufsbummel in Rosas unternommen und der Abend klang bei einigen Drinks
langsam aus. Samstag, Abreisetag, Packen und Zimmer räumen war angesagt. Uli`s
Bus kam pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt, das Verladen verlief problemlos
und gegen Abend wurden dann in La Jonquera die letzten Rückreisenden
aufgenommen. Die Rückfahrt verlief genauso Ereignislos (gelobt seien hier die
guten Fahrer) wie die Hinreise, so dass wir am Sonntagnachmittag wieder Zuhause
ankamen.
  Ein letztes mal Entladen, das Gepäck in den Autos verstaut,
bleibt die Erinnerung an einen gelungenen, Erlebnisreichen Urlaub in einer
Gegend, die man sonst mehr mit Sonne, Strand, Baden und Meer verbindet. Bereits
auf der Heimfahrt wurde ernsthaft darüber diskutiert, dies vielleicht bereits im
Herbst zu wiederholen. Dies sollte uns nicht gelingen, aber für den Mai 2006 ist
derselbe Küstenabschnitt bereits fest eingeplant.
Im Oktober 2005 (der Guide Peter) |